Mein Bücherblog
113 einseitige Geschichten von F. Hohler
Franz Hohler liebt kurze Erzählungen, auch er gilt als »Meister der kleinen Form«. Seit Jahren sammelt er Geschichten, von denen keine länger als eine Seite ist.
Seine Sammlung reicht von Äsop bis Alexander Kluge, von Alfred Polgar bis Anette Pehnt, von Leo Tolstoi bis Christine Nöstlinger. Traurige, lustige, anrührende, grotesk zugespitzte und mit viel Hintersinn erzählte Geschichten, denen nicht nur die miniaturhafte Kürze gemeinsam ist. Jede von ihnen entfaltet auf knappstem Raum einen Kosmos, der den Alltag und das gewohnte Leben rasch verblassen lässt und eine viel reichere Welt der Phantasie, des Unwahrscheinlichen und kaum für möglich Gehaltenen zum Vorschein bringt. 113 einseitige Geschichten hat Franz Hohler in diesem Band versammelt – 113 Seiten überraschender und immer wieder von Neuem bezwingender Lesegenuss.
Kurz gesagt: „113 einseitige Geschichten“ hätte an sich sehr gut sein können, allerdings empfand ich viele der Geschichten einfach nur als belanglos, sodass für mich kein besonders großer Lesespaß aufkam. Dies ist sehr schade, aber manchmal soll es wohl einfach nicht sein.
Was auf den ersten Blick so charmant klingt, stellt sich auf die Lange Distanz unglücklicherweise als schwierig und langatmig heraus. Es sind viele namhafte Autoren versammelt und der Herausgeber gräbt sehr tief um Werke zu finden die sich auf eine Druckseite komprimieren lassen.
Vertreten sind hier u.a. die Brüder Grimm, Heinrich von Kleist, Franz Kafka, Bertolt Brecht, Martin Walser und auch Franz Hohler selbst. Natürlich kann man auf einer Seite keine ausschweifende Werke mit hintergründiger Handlung sowie ausgefeilten Charakteren erwarten. Und die Liste der namhaften Autoren ist sehr wohl beeindruckend. Wie kann da ein schwaches Buch herauskomme?
Kurz gesagt, und damit möchte ich auch die (kurze) Rezension abrunden, ist die überwiegende Zahl der Geschichten belanglos. Trotz meisterhafter Autoren versammelt sich hier kein literarischer Hochgenuß. Es mag auch an mir liegen. Autoren wie Pablo de Santis, ein Meister der kargen und präzis platzierten Worte vermögen mit wenigen Sätzen den Leser fesseln. Hier gelingt es nur wenigen Buchseiten mich bei der Stange zu halten.
Wirklich schade, das Konzept hat zweifelsohne großes Potential.
Franz Hohler "113 einseitige Geschichten" BTB



