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Beth Chatto /Christopher Lloyd „Dear Friend and Gardener“

04.11.2020

Der Briefwechsel zwischen zwei Ikonen der englischen Gartenkultur stammt aus den Jahren 1997 und 98 und wurde 2013 ins Deutsche übersetzt. Es ist anrührend, zu lesen, wieviel die beiden sich zu sagen hatten (die Briefe sind oft 10 und mehr bedruckte Seiten lang – wer schreibt heute noch solche Briefe?). Sie waren beide nicht mehr jung (Beth Chatto starb im Jahr 2018 mit fast 95!)
Es geht dabei nicht nur um die Gärten, die beide besaßen, sondern auch um sehr persönliche Themen wie das Älterwerden, aber auch Musik, Literatur und nicht zuletzt um den damals schon spürbaren Klimawandel. Jeder, der einen Garten hat, kann wunderbar mitempfinden, wenn Beth über das schlechte Wetter klagt oder Christopher Lloyd (den sie „Christo“ nannte) sich über die ausbleibenden Blüten einer Pflanze ärgert. Sie pflegten eine sehr lange und innige Freundschaft und standen sich in allen Lebenslagen gegenseitig bei. Das Interessante dabei ist, daß sie ganz verschiedene Lebenswege hatten: Christopher Lloyd wurde reich geboren und erbte den berühmten Garten Great Dixter. Da sonst niemand aus der Familie Lust hatte, sich darum zu kümmern, nahm er sich des Gartens an und   machte daraus das Kleinod, das er heute ist. Hier zeigt sich wieder der so unterschiedliche Stellenwert, den die Gartenkultur in England im Vergleich zu Deutschland hat. In England ist „Gardening“ eine hoch gepflegte Kultur, bei der durchaus vornehme adlige Herren in Hemd und Kravatte mit einer Schürze im Gewächshaus stehen und Pflanzen pikieren oder draußen die verblühten Rosen abschneiden. Die Royal Horticultural Society unter Schirmherrschaft der Queen ist die größte englische Wohltätigkeitsorganisation mit Mitgliedern weltweit.
Beth Chatto wurde im Leben nichts geschenkt. Sie betrieb mit ihrem Mann zunächst eine Obstplantage, bis seine Gesundheit dies nicht mehr zuließ. So verkauften sie die Felder und behielten nur einen kleinen Teil des Grundstücks, einen trockenen, kiesigen Hang mit Platz für ein Wohnhaus und einen feuchten Graben – beides für den Obstanbau wertlos.
Auf diesem schwierigen Gelände schuf Beth Chatto im Verlauf von 40 Jahren mit eiserner Disziplin und immensem Arbeitseinsatz einen unvergleichlichen Garten. Sie eröffnete eine Gärtnerei für ungewöhnliche Pflanzen, die mit diesen schwierigen Bedingungen klar kommen und die man dann im Garten direkt bewundern und aussuchen kann. Ihr Kiesgarten (the Gravel Garden) ist unter Gartenfreunden weltbekannt und gewinnt gerade in Zeiten des Klimawandels und der Wassernot an Bedeutung. Man muß dazu sagen, daß Beth Chatto in Essex lebte, der trockensten Gegend im Südosten von England, wo die Niederschläge schon in den 80er Jahren oft unter 500 mm pro Jahr lagen.
Diese Lebenserfahrungen fließen in die Briefe der beiden ein, und man gewinnt sie wirklich lieb. Es ist schade, daß beide schon tot sind, aber in ihren Gärten und dem, was sie damit geschaffen haben, leben sie fort.



Beth Chatto /Christopher Lloyd „Dear Friend and Gardener“  - Frances Lincoln (englischsprachig)

 
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