Mein Bücherblog
Beverley Nichols „Die Niemandsstraße“
Ein englischer Krimi der besonderen Art…..Ich habe zu diesem Buch gegriffen, weil es von Beverley Nichols ist und ich seine Gartenbücher liebe. Auf der Suche nach weiteren Werken von ihm mußte ich feststellen, daß er kein Gärtner

ist, der schreibt, sondern ein begabter Schriftsteller, der auch gerne gärtnert. (Wobei das Wort „gärtnern“ oder süddeutsch „garteln“ beileibe nicht das wiedergibt, was im Englischen unter „gardening“ verstanden wird- aber dazu ein andermal mehr)
Ähnlich wie Vita Sackville-West, die nicht nur durch ihren berühmten Garten Sissinghurst bekannt wurde, sondern schon vorher eine anderkannte Schriftstellerin war, verdiente auch Beverley Nichols sein Geld als Autor, vor allem von Krimis.
An seinem Schreibstil gefallen mir vor allem die bildhaften Vergleiche und sein Humor. In einem Gartenbuch heißt es z.B. „Die Sträucher standen herum und drängelten sich sehr brutal in den Vordergrund…..wie rotgesichtige junge Männer, die auf dem Dorftanz zu viel getrunken haben...“
In der „Niemandsstraße“ löst der Protagonist Mr. Green auf seine nachdenkliche Art einen komplizierten Mordfall. Darin ist auch eine ehemals berühmte, nun etwas abgehalfterte Sopranistin verwickelt, eine schillernde Persönlichkeit, die Unmengen des Parfums „Arpege“ benutzt. Beverley Nichols hierzu „Als Lanvin es entwickelte, hatte er sicher nicht im Sinn, es mit dem Gartenschlauch aufzutragen…..die Diva erhob sich, in einer Wolke von Nerz und einer Fanfare von Arpege…“
Die Geschichte ist wie immer spannend und fesselnd erzählt, wenngleich man sich für die Lektüre etwas Zeit nehmen muß. Das Buch stammt von 1956 und ist daher auch ein Zeitdokument. Heute wäre es wahrscheinlich halb so dick und hätte sehr viel weniger Charme. Mr. Green, die Hauptperson ist ein pensionierter Privatdetektiv, der in seinem Beruf ein solches Genie bewiesen hat, daß er von Kommissar Waller selbst als Ruheständler oft um Rat gefragt wird. Ähnlich wie Miss Marple, löst er die Fälle immer auf seine Art und läßt die Polizei dabei ziemlich kläglich aussehen.
Diesmal geht es um einen älteren Adligen, der erstochen aufgefunden wird. Das Motiv und die Ausführung des Mordes sind sehr rätselhaft, denn der Tote befindet sich in einem von innen verschlossenen Raum. Verdächtige gibt es so einige, trotzdem bleiben die Hintergründe zunächst rätselhaft, bis Mr. Green mit seiner außergewöhnlichen Beobachtungsgabe dem Mörder auf die Spur kommt. Der Plot wird genüßlich ausgesponnen, falsche Fährten werden gelegt und erst ganz am Ende kommt die überraschende Auflösung. So sollte ein Krimi sein.
Beverly Nichols - Die Niemandsstraße - Nur noch antiquarisch



