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Der Nachfolger von Drei Mann in einem Boot ist da.

05.07.2019

Wer dachte, er kennte alles von Jerome K. Jerome, wird nun eine Besseren belehrt. Bei Jung und Jung erschien vor Kurzem eine bisher in Deutschland unbekannte Episode des Literaturklassikers um die "Drei Mann in einem Boot".

Eine Bootstour auf der Themse hat ihre Tücken, aber es ist doch nur eine Kaffeefahrt im Vergleich zu dem, was die beiden Gentlemen in diesem Buch auf sich nehmen: Mit Schiff und Zug und Pferdewagen fahren sie von London aus über den Kanal und quer durch Belgien und Deutschland zu den Passionsspielen nach Oberammergau. Sie kommen nur langsam voran, aber sie lernen schnell, dass die Welt überall anders eingerichtet ist als zuhause. Unverdrossen kämpfen sie mit fremdem Bettzeug, deutschen Fahrplänen und vollen Bierkrügen. Mit Stil und Witz begegnen sie allem, was sich ihnen in den Weg stellt. Und erkennen am Ende: »Ein Besuch in Deutschland ist für einen Engländer Medizin.« Aber was ist die dazugehörige Krankheit?
Mit Drei Mann in einem Boot hat sich Jerome K. Jerome in die Literaturgeschichte eingeschrieben.

Für alle, die Jerome K. Jerome noch nicht kennen, erlaube ich mir aus der Wikipedia über ihn zu zitieren :

Jerome Klapka Jerome war ein englischer Autor. Berühmt wurde er durch seinen humorvollen Roman Drei Mann in einem Boot, der auch als Vorlage für mehrere Spielfilme diente.

Am 21. Juni 1888 heiratete er Georgina Elizabeth Henrietta Stanley Marris (genannt Ettie), neun Tage nach ihrer Scheidung von ihrem ersten Mann, mit dem sie fünf Jahre verheiratet gewesen war und von dem sie eine Tochter hatte. Die Flitterwochen fanden auf der Themse statt, ein Umstand, der maßgeblichen Einfluss auf Jeromes nächstes und wichtigstes Werk hatte: Three Men in a Boat, Drei Mann in einem Boot.

Sobald das Paar von seiner Hochzeitsreise zurückgekehrt war, machte sich Jerome daran, Drei Mann in einem Boot zu schreiben. In dieser Novelle ersetzte er seine Frau durch seine langjährigen Freunde George Wingrave (George) und Carl Hentschel (Harris). Dies erlaubte es ihm, die humorvollen Situationen ganz unsentimental zu schildern. Den Lauf der Themse nutzte er als Handlungsstrang, an dem er die einzelnen Episoden und Anekdoten aufreihte. Das Buch wurde 1889 veröffentlicht und war ein augenblicklicher Erfolg. Es war so populär, dass sich die Zahl der registrierten Themse-Boote im Jahr nach der Veröffentlichung verdoppelte und die Themse eine Touristenattraktion wurde. Allein in den ersten zwanzig Jahren wurde es über eine Million Mal weltweit verkauft und wird bis heute gedruckt. In den USA wurden in kurzer Zeit eine Million Exemplare eines Raubdruckes verkauft, auch in Russland fand es ein begeistertes Echo. Es diente als Vorlage für Filme, Fernseh- und Radio-Shows, Bühnenstücke und sogar für ein Musical.

Dieses neue Buch nun schließt an die Geschichten der Drei an. Wie oben erwähnt soll es eine Pilgerreise werden. Von London nach Oberammergau. Wie schon so oft werden kleinste Begebenheiten zu herrlichen Grotesken ausgeschmückt. Ähnlich zu "drei Mann in einem Boot" kann schon das Öffnen einer Konservendose (ohne passenden Öffner) zu einer literarischen Höchstleistung werden.

Hier eine kleine Leseprobe :

Wir alle drei sind große Liebhaber von Ananas. Wir schauten mit freundlichen Blicken die Abbildung auf der Zinnbüchse an, gedachten des Saftes, den sie enthalten würde, und lächelten einander an; Harris hatte sofort seinen Löffel parat, dann suchten wir das Messer, um die Büchse zu öffnen. Wir lehrten den ganzen Korb danach um; dann leerten wir die Reisesäcke aus. Hernach hoben wir die Bretter des Boots in die Höhe. Hierauf schleppten wir alles ans Ufer und schüttelten es aus. Aber kein Büchsenmesser wollte sich finden.

Jetzt versuchte Harris die Büchse mit seinem Taschenmesser zu öffnen; aber dabei zerbrach er die Klinge und schnitt sich tief in die Hand; dann versuchte es Georg mit der Schere; aber diese schnellte in die Höhe und hätte ihm um ein Haar ein Auge ausgestochen. Während die beiden ihre Wunden verbanden, versuchte ich mit dem spitzen Ende des Bootshakens ein Loch in die Büchse zu bohren, aber der Haken entschlüpfte mir und warf mich über das Boot hinaus in zwei Fuß tiefes schmutziges Wasser, während die Büchse unversehrt davonrollte und eine Teetasse zerschlug.

Jetzt wurden wir alle drei fuchswild. Wir nahmen die heimtückische Büchse ebenfalls ans Ufer; Harris holte einen schweren, scharfkantigen Stein, und ich holte den Mast aus dem Boot; Georg hielt die Büchse und Harris die Spitze des Steines darauf, und ich schwang den Mast mit aller Kraft in die Höhe und schmetterte ihn nieder.

Georgs Strohhut war es, der ihm damals das Leben rettete! Er hat diesen Strohhut, d. h. was davon übrig blieb, als eine teure Erinnerung aufbewahrt; und an Winterabenden, wenn die Pfeifen glühen und die Jungen von ihren kühnen Streichen erzählen und von den Gefahren, denen sie glücklich entronnen sind, holt Georg ihn herbei und zeigt ihn den Anwesenden, und die aufregende Geschichte wird aufs neue, jedesmal mit erhabeneren Ausschmückungen, erzählt. Harris kam mit einer bloßen Fleischwunde davon. Daraufhin nahm ich die Büchse allein in Angriff und hieb mit dem Mast darauf, bis ich erschöpft und todestraurig niedersank, worauf Harris sie ergriff.

Wir schlugen sie flach, wir schlugen sie wieder zu einem Würfel, wir brachten sie in jede denkbare geometrische Form – aber wir konnten kein Loch hineinbekommen. Dann griff Georg wieder danach und klopfte sie in eine so seltsame, so unheimliche, in ihrer wilden Häßlichkeit so unirdische Form, daß ihm selbst bange davor wurde und er den Mast wegwarf. Jetzt setzten wir uns alle drei rings um das Ding herum und schauten es an. Quer über das obere Ende lief ein Einschnitt, der sich wie ein höhnisches Grinsen ausnahm und uns derart in Wut versetzte, daß Harris sich darauf losstürzte, es erfaßte und mit einem furchtbaren Schwung bis in die Mitte des Stromes hineinwarf, wohin wir ihm unsere Verwünschungen nachsandten. Dann stiegen wir wieder ins Boot, ruderten eilends hinweg von dem Ort und ruhten nicht eher, bis wir Maidenhead erreicht hatten.

Bedarf es wirklich noch mehr? Dem Autor gelingt es auch in diesem Buch die viktorianischen Gentlemen von einem Wahnsinn in den nächsten zu treiben. Wir sehen lachend und schmunzelnd dabei zu, wie die Herren an sich und der Welt grandios scheitern. Die eigentliche Handlung - ein Roadmovie aus dem letzten Jahrhundert - tritt dabei fast in den Hintergrund.

Auch die wirklich treffliche Übersetzung soll hier nicht unerwähnt bleiben. Wer das englische Original gelesen hat, stellt mit Genugtuung fest, daß es kaum besser ins Deutsche übertragen werden kann.

Für Fans von Mark Twain und Jerome K. Jerome ein Muß, für alle anderen eine dringende Empfehlung zumindest die Nase hinein zu stecken.

Jerome K. Jerome - Zwei Mann auf Pilgerfahrt... JundUndJung

 

Quellen : Wikipedia / JungUndJung - Klappentext Bild : ClipartQueen.com

 

 
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