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Freie Gärtnergeschichten - Projekt Gutenberg

16.03.2019

Projekt Gutenberg sammelt freie Texte und stellt sie für die Allgmeinheit zur Verfügung. So auch diesen Text. Das Buch berichtet von den Freuden und Leiden des passionierten Gärtners, und obwohl es rund 100 Jahre alt ist, hat es nichts von seiner Aktualität verloren. Capek beschreibt auf seine unnachahmlich ironische Weise die vielen Fährnisse, die der Gärtner bestehen muß.

Dabei hat sich schon einiges verändert, zum Beispiel der Umgang mit geschützten Pflanzen („ich habe auf einem Spaziergang ein paar Orchideen ausgegraben, die ich Ihnen heute mit Boten schicke…“) oder auch die Bezeichnung von manchen Arten z.B. nannte man Dahlien früher Georginen….

Aber das Meiste ist gleich geblieben: Der Kampf gegen Läuse und Schnecken, das stets am besten gedeihende Unkraut, die lieben und bösen Nachbarn, der Boden, in dem gerade die Arten nicht gedeihen wollen, die uns doch am meisten am Herzen liegen…..Vor allem aber zwei Dinge: Erstens: Der Gärtner kann nahezu nie in Ruhe in seinem Garten sitzen, denn es gibt immer irgendwo etwas zu tun und schon springt er auf und lässt den Besuch alleine auf der Terrasse sitzen („ich will nur eben die Rose neu anbinden..“) oder beginnt Unkraut zu zupfen.

Zweitens: Der Gärtner ist nie zufrieden, immer ist es ihm zu heiß, zu kalt, zu nass, zu trocken oder zu windig für seine Pflanzen. Das Frühjahr kommt zu früh oder zu spät, der Winter ist zu kurz oder zu lang, die Sonne zu heiß und so weiter und so weiter.

Aber irgendwie wird dann doch am Ende alles recht.

Ein wirklicher Genuß zum Lesen für alle Gärtnerinnen und Gärtner und solche, die es werden wollen….

Zum Abschluß einen kleine Leseprobe :

Jetzt will ich noch verraten, woran man einen wirklichen Gärtner erkennt. »Sie müssen mich besuchen«, sagt er, »ich muß Ihnen meinen Garten zeigen.« Kommt man also hin, um ihm Freude zu machen, so findet man sein Hinterteil irgendwo zwischen den Perennen emporragen. »Ich komme gleich«, sagt er über die Schulter hinweg, »ich setze nur das hier um.« »Lassen Sie sich nicht stören«, erwidert man ihm freundlich. Nach einiger Zeit ist das Zeug wahrscheinlich schon umgesetzt; kurzum, er erhebt sich, macht einem die Hand schmutzig und sagt, vor Gastfreundschaft strahlend: »Also kommen Sie, schauen Sie sich ihn an; es ist zwar nur ein kleiner Garten, aber – einen Augenblick«, sagt er und bückt sich zu einem Beet nieder, um einige Gräser auszujäten. »Also kommen Sie. Ich zeige Ihnen eine Dianthus Musalae, da werden Sie Augen machen. Herrgott, hier habe ich vergessen aufzulockern«, sagt er und beginnt in der Erde herumzustochern. Nach einer Viertelstunde richtet er sich wieder auf und meint: »Richtig, ich wollte Ihnen ja die Glockenblume, Campanula Wilsonae zeigen. Das ist die schönste Glockenblume, die – warten Sie, ich muß den Rittersporn da anbinden.« Sobald er ihn angebunden hat, erinnert er sich: »Ach ja, Sie wollten den Reiherschnabel sehen. Einen Augenblick«, brummt er, »ich will nur diese Aster hier umsetzen; sie hat zu wenig Platz.« Worauf man auf den Fußspitzen davonschleicht und das Hinterteil des Gärtners zwischen den Perennen emporragen läßt.

Und sobald er einem wieder begegnet, sagt er: »Sie müssen mich besuchen kommen; bei mir blüht eine Rose, so etwas haben Sie noch nicht gesehen. Also Sie kommen? Aber bestimmt.«

Nun gut: besuchen wir ihn, um zu sehen, wie das Jahr vergeht.

 

Karel Capek "Das Jahr Des Gärtners" Rechtefrei bei Gutenberg.ORG

Quelle : "https://gutenberg.spiegel.de/buch/das-jahr-des-gartners-7950/1"

 
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