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Maria Edgeworth - Belinda
Ein ganz besonderer Leckerbissen für alle Fans von Jane Austen! Der Roman
stammt aus der gleichen Zeit und Jane Austen soll gesagt haben: „Nun bin ich
sicher, daß mir keine Romane gefallen außer meinen eigenen und denen von Miss Edgeworth“ Kann man sich gut vorstellen. Der Schreibstil ist ähnlich, eine wunderschöne Sprache (wirklich hervorragend übersetzt!), eine Geschichte, die sich Zeit lässt.
Das ist kein Buch für einen Nachmittag – immerhin über 500 Seiten. Trotzdem ist es fesselnd und ein Genuß beim Lesen. Damals hatte man noch Zeit.....Zur Handlung: Die junge Belinda kommt nach London, um durch eine Freundin ihrer Tante in die Gesellschaft eingeführt zu werden und –natürlich- einen geeigneten Ehemann zu finden. Wie auch in den Romanen von Jane Austen ist es immer die Frage, wer am Schluß wen heiratet, die die Handlung trägt. Aber diese Geschichte ist trotzdem anders und für die damalige Zeit revolutionär: Lady Delacour, die Gastgeberin von Belinda ist eine sehr kapriziöse und exaltierte Person, die sich in jungen Jahren sogar als Mann verkleidet ein Duell mit einer Rivalin geleistet hat. Skandalös! In der Öffentlichkeit gibt sich Lady Delacour lebensfroh und heiter, aber Belinda merkt schnell, daß dies nur Fassade ist und ihre Gastgeberin eigentlich sehr unglücklich und verbittert. Der Grund dafür ist ihre unglückliche Ehe, die sie nur eingegangen ist, um einem anderen Verehrer eins auszuwischen. Belinda Portman selbst ist hingegen ehrlich, feinfühlig und offen. Zu Beginn des Buches steht sie noch zu sehr unter dem Einfluss ihrer Tante Mrs. Stanhope, aber sie lernt immer mehr, eigene Entscheidungen zu treffen und sich von niemanden in ihrem Urteil beeinflussen zu lassen. Das ist auch so ein typisches Austen-Thema. Heute selbstverständlich, war das damals durchaus ungewöhnlich. Belinda will niemanden täuschen oder hintergehen, wird aber leider von Lady Delacour für deren
Ziele eingespant.Sie verliebt sich in Clarence Hervey, einen Freund und Bewunderer von Lady Delacour. Dieser ist arrogant und denkt, er wüsste über alles und jeden bestens
Bescheid. Doch als Clarence Belinda kennenlernt, wird etwas in ihm ausgelöst und er wird bescheidener und vernünftiger.Im Klappentext wird der Roman als das Psychogramm einer jungen Frau
beschrieben – er ist viel mehr als das. In die damalige Zeit gesetzt ist es eine Geschichte, die jungen Frauen Mut machen sollte, ihr eigenes Leben zu leben und ihren Gefühlen zu vertrauen. Große Literatur!



