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Olli Jalonen "Die Himmelskugel"
Der Mare Verlag hat (erneut) einen wahren Schatz gehoben. Der in unseren Breiten eher unbekannte Olli Jalonen.
Aus diesem Anlaß zunächst eine kurze Vorstellung :
Olli Jalonen, 1954 in Helsinki geboren, studierte Sozialwissenschaften und hat viele Jahre in Schweden und Irland gelebt und gearbeitet. Er zählt zu den bedeutendsten Autoren Finnlands. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet und in verschiedene Sprachen übersetzt. Für seinen Roman Die Himmelskugel erhielt er als erster Autor nach Bo Carpelan zum zweiten Mal den Finlandia-Preis, Finnlands renommiertesten Literaturpreis.
Das Erstlingswerk von Olli Jalonen, die Novellensammlung Unien tausta, erschien 1978 und wurde als bestes Erstlingswerk Finnlands ausgezeichnet. Im Roman Ilo ja häpeä (1981) erzählt der Schriftsteller von seinen Erfahrungen als Pressesprecher der Indonesischen Botschaft in Helsinki. Der Roman Hotelli eläville (1983) handelt von der Ethik der Wissenschaft. Er wurde in Finnland mehrfach ausgezeichnet und auch in Schweden, Norwegen und Estland veröffentlicht. Die Werke von Olli Jalonen drehen sich oft um Fragen nach dem Gewissen, beispielsweise hinsichtlich der Situation und der Verantwortung des Menschen in Diktaturen und Ausnahmesituationen. Jalonen hat Novellen und Hörspiele geschrieben, in welchen er von seinen Erfahrungen berichtet, unter anderem mit Nordkorea und dem Totalitarismus. Diese Novellen sind unter anderem im 2003 veröffentlichten Värjättyä rakkautta erschienen.
Als Hauptwerk des Autors gilt der umfangreiche Roman Yksityiset tähtitaivaat (1999). Es handelt sich um eine Zusammenfassung der in den Jahren 1989–92 erschienenen, mittlerweile ergänzten Romantrilogie über das durch Politik, die See und menschliche Beziehungen getrennte Geschlecht von Betel während eines Jahrhunderts.
Doch nun zum Buch...
Wir schreiben das Jahr 1677. Angus - der eigentlich Protagonist - trifft auf der abgelegnen Inso St. Helena auf Halleym, den großen Forscher und Astronomen.
Der Junge, beschimpft und ausgestossen - da seine Mutter die Geliebte des Pastors keinen guten Ruf hat - hat es schwer. Der 30jährige Krieg hat auch hier seine Spuren hinterlassen und die Insel zerreißt es schier im Konflikt um Glauben, Katholizismus und Potestantismus. Auch die grausame Herrschaft des Gouverneurs trägt ihren Teil zum Leid bei.
So klammert sich Angus sprichwörtlich an Halley, die Lichtgestalt. Erhält von ihm Anweisungen die er treu und brav ausführt da sie Halt und Sicherheit geben.
Bald wird klar, daß Angus nicht nur ein Junge sondern ein begabter Naturbeobachter ist.
"Niemand auf der Insel ist derselbe wie ich und niemand sieht den Himmel besser als ich durch das Loch der Araukarie. Wenn es einem so vorkommt, hat man ein hohes Gefühl in sich und kann keinen Moment still stehen und nichts denken. Aber wenn sich in der Nacht mehr Wolken oder Nebel zusammenballen, legt sich das Gefühl und wird wieder normal. Eigentlich hat der Mensch ein Meer in sich."
Edmond Halley nun, will helfen Angus nach England zu bringen um dort all den Schrecknissen zu entgehen. Unter unbeschreiblichen Entbehrungen und auch "der Vermietung" der eigenen Schwester gelingt es schließlich. Angus reist nach London. Doch wie so oft, ist das Gras auf der anderen Seite des Zaunes nicht grüner. Aber Angus' festen Willen sich Halley und seinem unermüdlichen Forscherdrang anzuschließen obsiegt zuletzt und der Lese wird belohnt mit klugen und schönen Gedanken über den Menschen und die Welt.



