Romane
Neues/Altes aus dem Mare-Verlag - Arthur C. Doyle
Letztes Jahr, auf der Buchmesse 2018, stolperte ich am Mare-Verlag über ein Buch, das mich sofort ansprach. Es hat etwas länger gedauert, aber nun ist es gelesen und ein Blogeintrag steht an. Also hier nun
Arthur Conan Doyle...
Er wollte – nicht ahnend, dass die Reise ins eisige Polarmeer verborgene Talente in ihm hervorbringen würde: Bald schon war Doyle weniger als Arzt gefragt denn als begnadeter Schütze, der sich unermüdlich an der Jagd auf Robben und Vögel beteiligte und mutig auf Eisschollen hinauswagte (von denen er so oft herunter und ins Wasser fiel, dass der Kapitän ihn den 'großen Eistaucher' nannte). An Bord lernte Doyle da
s endlose Warten auf den Wal kennen, diskutierte über Philosophie und Religion, boxte mit Schiffskameraden und begeisterte sich für eine im Gurkenglas gehaltene Meeresschnecke, die er 'John Thomas' taufte – vor allem aber führte er ein Tagebuch, in dem er das Erlebte festhielt, womit er gleichzeitig das Fundament für sein späteres Schreiben legte.
Doyles Polartagebuch ist ein einzigartiges Dokument, verfasst in tadelloser Handschrift und ergänzt durch zauberhafte Zeichnungen von Jagdszenen, Schiffen und Meerestieren. Anschaulich und lebendig zeigt es uns jenen abenteuerlustigen und gewitzten Mann, der es später mit seinen Geschichten um Sherlock Holmes zu Weltruhm bringen sollte.
Doyle selbst hat seine Erlebnisse hernach selbst immer wieder literarisch und auch wissenschaftlich verarbeitet. Ein Anhang im Buch, der etwa die gleiche Länge wie das Tagebuch selbst hat, führt all diese Werke auf. Da wäre ein Artikel für die Zeitschrift The Idler aus dem Jahr 1892, einer für das Strand Magazine aus dem Jahr 1897 und auch die Sherlock-Holmes Geschichte Der schwarze Peter, die Doyle ebenfalls im Strand Magazine veröffentlichte.
Im Gegensatz zu seinen bekannten Werken ist dieses Buch kein Roman. Es ist im besten Sinne ein Tagebuch. Wer sich an die "Geheimen Tagebücher des Samuel Pepys" erinnern mag, weiß genau was ich meine. Die lakonische Aneinanderreihung der Ereignisse macht den besonderen Reiz aus. Es ist nicht das romanhaft verdichtete, es ist die klare und fast emotionslose Beschreibung der Ereignisse. Schon der Titel des Buches zeigt in welche Richtung es geht.
Keine Spur der satirischen Ausschweifungen eines Mark Twain.
Also schildert Doyle nüchtern, wie es ist – das Aufspüren der Wale, die Enttäuschung, wenn sie entkommen, der Wettkampf mit dem konkurrierenden Schiff Eclipse, die parallel zum Walfang stattfindende Jagd auf Robben und See-Elefanten, die bange Frage, ob das Schiff die richtigen Wahlfanggründe angesteuert hat und ob Wind und Wetter die Rückfahrt möglich machen oder das Schiff vom Eis eingeschlossen wird.
Er beschreibt wie blutig das Geschäft des Walfangs ist, und dass ihn das letztlich doch erschüttert: Bei all der Aufregung – und niemand, der sich zu solch einem Anlass nicht schon einmal ein Ruder geführt hat, kann nachvollziehen, wie aufregend es ist – hat man mit dem armen, gejagten Tieren Mitleid. Der Wal hat ein kleines Auge, wenig größer als das eine Stiere; doch den stummen Protest, den ich in einem von ihnen las, als das Tier in Reichweite meiner Hand sein Leben aushauchte, kann ich nicht einfach vergessen.
Am Sonntag, 04. April 1880 schreibt Doyle: Den ganzen Tag gearbeitet. Heute dreimal ins Polarmeer gefallen, doch glücklicherweise war immer jemand in der Nähe, um mich rauszuziehen. Soviel zur Entstehung des Titels.
Wie es dazu kommen konnten, und welche Gefahren diese Stürze bergen beschreibt er in einem Brief an seine Mutter in Edinburgh. Ebenso wie viele andere Begleitdokumente findet sich dieser Brief im Anhang.
Ein absolutes Ausnahmebuch mit großer Leseempfehlung. Danke Mare!
Arthur Conan Doyle "Heute dreimal ins Polarmeer gefaller" Mare Verlag



